Saddestes like... Kassen einfach nur kurzfristig am denken
@abyssinian
Cosplayer (36), Cool and very normal, happily married, won a trip to Japan and can't stop talking about it ever since (sorry in advance), sometimes forgets to write in English, She/Her but generally fine with any pronouns
Saddestes like... Kassen einfach nur kurzfristig am denken
Auch wenn es Dachverbände und Vereinigungen gibt, die fantastische Arbeit leisten und auch jetzt dabei sind, einiges zu bewegen, wird der Protest kaum gehört. Und ich glaube im Kern möchte niemand mit diesem Beruf seine Patienen alleinlassen und aufgeben oder streiken.
Aber das schlimme ist, dass psychische Erkrankungen noch immer mit so einem hohen Stigma einhergehen, dass es schwer ist, als breite Masse Druck auf den Gesetzesgeber aufzubauen. Jnd Psychologen/Psychotherapeuten? Die versuchen seit Jahren zu protestieren, u.a. gegen Teile der Ausbildungsreform
Und wenn ihr euch jetzt noch fragt "Wie kann das denn bitte wahr sein??" dann ist die Antwort wahrscheinlich: Menschen mit einer psychischen Erkrankung haben keine Lobby. Auch wenn es fantastische Organisationen und Betroffenenverbände gibt, die in der Aufklärung und im peer-support viel bewegen.
Noch eine Sache: es gibt massive Unterschiede in der Versorgungsdichte je nach Region. Während in Großstädten eine große Anzahl an Psychotherapeuten zu finden sind, sind in ländlichen Regionen, ibs in den neuen Bundesländern, erhebliche Versorgungslücken.
Not gonna lie, wenn Hausärzte das nicht machen würden, könnte der Bedarf an Psychotherapie überhaupt nicht mehr gedeckt werden und deshalb bin ich schon relativ dankbar. In vielen Fällen hilft eine kurzzeitige Medikation auch aber es ist nicht ideal
Oder man geht zum Hausarzt, der eine Depression nur in 50% der Fälle erkennt. Und dann meist sein Lieblingsantidepressivum aus dem Schrank zaubert, was aber bei vielen Personen nach S3 Leitlinie gar nicht notwendig wäre - und mit Nebenwirkungen und Absetzerscheinungen daherkommt.
machen müssen (und das ist in VT, andere Therapieschulen haben deutlich längere Ausbildungen).
Und was einen bei einem Heilpraktiker erwartet ist eine absolute Wundertüte. Bestenfalls ist es jemand, der empathisch zuhört. Schlimmstenfalls wird durch Fehlbehandlung eine Symptomatik verschlimmert
Heilpraktiker für Psychotherapie müssen nur eine Prüfung mit 40 multiple choice Fragen drin bestehen, bevor man sie auf die Menschheit loslässt - während Psychologische Psychotherapeuten (ja, das heißt wirklich so lol) einen Master/ein Diplom in (Klinischer) Psychologie und mindestens 3 J Ausbildunh
Und dann gibt es da auch noch das Problem damit, dass der Begriff "Psychotherapie" nicht geschützt ist und sich hinter vielen Praxen, bei denen man dann in seiner Not einen Selbstzahlertermin vereinbart, ein Heilpraktiker verbirgt. Und Heilpraktiker kann wirklich JEDER werden.
Was das im Einzelfall an Leid verursacht, für Betroffene und deren Familien - daran mag ich nicht einmal denken.
Und es ist natürlich eine Sache der sozialen Gerechtigkeit: denn durch die Knappheit an Kassensitzen gibt es genug Psychotherapeut:innen die Privatzahler nehmen.
Ich finde es scheußlich, dass weitere Kürzungen es noch unattraktiver machen, Patientinnen mit komplexeren Bedarfen anzunehmen. Und auch nicht intelligent aus Sicht der Kassen - denn diese Menschen müssen versorgt werden und im Zweifelsfall dann stationär.
Und wieso soll es dann noch weniger vergütet werden, wenn man jemanden länger begleitet? Mal davon abgesehen, dass für eine Langzeittherapie ein Bericht für den Gutachter geschrieben werden muss, was auch schon für den Aufwand echt mies vergütet ist.
Es kann doch nicht sein, dass Therapeut:innen, die sich mit Störungsbildern beschäftigen die schnell zu behandeln sind besser entlohnt werden als jemand der komplexe Fälle versorgt?! Was ist das bitte für ein System??
Wo wir auch mal drüber reden könnten: in der Verhaltenstherapie sind Kurzzeittherapien deutlich besser vergütet als Langzeittherapien. Es gibt aber Menschen, deren Symptomatik eben nicht in 24 Therapiestunden bearbeitet ist. Ich finde hier setzt man die falschen incentives!
Sehr gerne!
Einrichtung der Praxis. Aber alle wissen was das heißt. Also wenn man anfängt hat man wahrscheinlich erstmal Schulden. Oder geerbt. Aber hey macht ja nichts man wird ja gut bezahlt... außer wenn man das halt nicht wird lol
Oh und wenn man fertig ist und mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen will braucht man einen Kassensitz. Das, wovon es so wenige gibt in D., dass Patienten so lange Wartezeiten haben. Die werden inzwischen verkauft - auxh wenn das eigentlich verboten ist. Man zahlt dann halt 20.000 für die
Durch den neuen klinischen Master gibt es eine neue Weiterbildung - die auf deutlich längere Zeit ausgelegt ist, warum auch immer??? Man sagt uns, wir hätten noch Glück gehabt.
Es ist echt nicht einfach, sich zu motivieren, diese Ausbildung weiter zu machen.
...Stunde mit einem Supervisor sprechen müssen. Offiziell braucht die Ausbildung 3J in Vollzeit, 5 in Teilzeit. Inoffiziell oft länger. Aber hey, kein Druck, ich muss nur bis 2032 fertig sein sonst ist der Drops gelutscht.
Und die Generation nach uns? Die weiß noch gar nicht so richtig.
Wir bezahlen im Durchschnitt 20.000€ für die Ausbildung. Zusätzlich zur praktischen Tätigkeit (1200 Std in einer Klink + 600Std in einer ambulanten Praxis) müssen wir 600 Std Theorie machen - am Wochenende. Und dann arbeiten wir an unserem Institut wo wir Psychotherapie anbieten und jede vierte...
Ich habe Kollegen, die verdienen 1000€ im Monat für 20 Std/W in denen sie Psychotherapie in Klinken, oft auch Psychiatrien, anbieten. Die Klinken sind konstant überbelegt. Die Einarbeitung findet kaum statt. PTs in Ausbildung erleben zT super herausfordernde Situationen und müssen damit dealing.
Mal davon abgesehen ist es schon jetzt nicht fair, wie schlecht Psychotherapie im Vergleich zu ärztlichen Leistungen vergütet wird. Die Ausbildung ist schon dem alten System nach teuer und super anstrengend und mit dem neuen System wird es noch unfairer.
Schon allein mit Blick auf den Fachkräftemangel macht es Sinn, schnelle Behandlungen zu ermöglichen um gut ausgebildetes Personal nicht zu verlieren. Und um nicht eine ganze Kettenreaktion auszulösen wenn durch den Wegfall von gut ausgebildeten Mitarbeitenden die Arbeit umverteilt werden muss
Psychotherapie zu stärken ist nicht nur menschlich das richtige- sondern langfristig gedacht auch wirtschaftlich unabdingbar.
...Behandlung erspart werden.
Dazu kommen schwer zu beziffernde Auswirkungen, wie bspw den Ausfall in der Care-Arbeit, Erziehung, Pflege Angehöriger... die Belastung, die bei Angehörigen entsteht, die Auswirkungen auf die Kinder von Betroffenen etc etc
Wenn eine psychische Störung nicht frühzeitig ambulant behandelt wird, muss sie häufig stationär behandelt werden was um ein vielfaches teurer ist. Von den Kosten durch Krankheitstagen, Frühberentungen etc mal ganz abgesehen, die durch eine einfache, nicht-invasive und nachgewiesen wirksame...
Die psychische Belastung der Bevölkerung hat ibs seit der Pandemie zugenommen. Darüberhinaus sind die Suizid-zahlen 2023 das erste mal seit einem Jahrzehnt wieder gestiegen. Alle Zahlen sprechen dafür, dass wir MEHR Psychotherapie brauchen, nicht weniger
Es ist halt auch unnormal stupid, weil die häufigsten psychischen Störungen gut behandelbar sind aber bei zu langer Verzögerung des Behandlungsbeginns schlimmer werden. Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz betrugen 2020 schon im Schnitt 20 Wochen (Singer et al.), der Bedarf steigt.
Bitte unterschreibt und teilt. Die Lage ist eh schon shit und irgendwie finden die Kassen immer ein Schlupfloch, es schlimmer zu machen 💀