Dem Tigerenten-Typus gleichen weiblichen Nebenfiguren in Cho-
lonek und Hrdlak, die beiden Töchter Mickel und Else. Beide sind
fremdbestimmt, sowohl von der Mutter, die ihre sittliche Erziehung
überwacht, die Hochzeit organisiert, das Kind erzieht, als auch von ih-
ren Ehemännern. Beide Figuren ergreifen selten das Wort, von ihnen
sind wenige Äußerungen in der direkten Rede vermittelt. Sie beziehen
sich auf typisch weibliche Themen: Mode, Kindererziehung, äußere
Anzeichen des Wohlstands. Weder Mickel noch Else verstehen etwas
von Geschäftsführung und Geldanlagen und Politik. Beide Töchter-
figuren sind passive Dulderinnen, Opfer der männlichen Gewaltan-
wendung:
"Der Stanik sagte immer: ‚Das sind doch keine Leute, die ihre Fraun hauen!
Das wirst du bei mir nicht erleben! Bloß, weißt du, wenn ich was getrun-
ken habe, kann ich mich an nichts erinnern.’ Und er haute sie nie. Außer,
wenn sie es verdiente, wenn sie ihm Vorhaltungen machte, weil er das
Geld versoffen hatte. Aber das kam nicht oft vor, höchstens zwei-, dreimal die Woche (CH:174)."
Andere Frauenfiguren in den beiden Schlesienromanen sind Mord-
opfer oder willenslose Sexualobjekte von Männern, gefügig und ma-
nipulierbar. Der Tigerenten-Typ ist bei Janoschs seltener, er fehlt in
den Texten, die sich in der von der Frauenemanzipation veränderten
bundesdeutschen Gesellschaft nach 1968 abspielen.
CN Sexismus Patriarchale Gewalt Sexuelle Gewalt
Auch in seinen Romanen für Erwachsene* wiederholt sich das sexistische Geschlechterbild von Janosch.
(*"Vom dem Glück, Hrdlak gekannt zu haben" und "Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm")
#Janosch #Sexismus
literaturdidaktik.5v.pl/SchweinchenT...