Tagebucheintrag vom 10. März 1944
Die neue Hoffnung heißt Finnland. Seit zwei Tagen bestätigt die deutsche Presse ziemlich unverhüllt, was durch den englischen Rundfunk seit mindestens einer Woche bekannt ist: daß die Finnen mit Russland verhandeln. Aber eine Hoffnung auf rasches Ende ist das noch längst nicht.
Gewiss, es richtete mich auf, dass Fetscher Eva mit den Worten empfing: »Es geht zu Ende!« Aber es geht eben nur langsam zu Ende. Erst muss noch Rumänien abfallen und Ungarn, erst muß noch die Türkei in den
Krieg eintreten, erst müssen die Russen in Königsberg und in Lemberg sein, erst muss eine englisch-amerikanische Invasionsarmee von ihrem »Landekopf« bei Hamburg oder Wilhelmshaven auf Berlin marschieren, ehe das Ende da ist.
Diary entry of March 10, 1944
Finland is our new hope. For two days now, the German press has confirmed fairly openly what has been known from English broadcasts for at least a week: that the Finns are negotiating with Russia. But that is very far from being a hope of a quick end.
Certainly, it lifted my spirits that Fetscher received Eva with the words: "It's drawing to an end!" But it is only slowly drawing to an end. First Romania must desert and Hungary, first Turkey must enter the war, first the Russians must be in Königsberg and Lemberg, first an Anglo-American invasion army must march on Berlin from their "beachhead" at Hamburg or Wilhelmshaven, before the end comes.
10. März 1944
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